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Pflegeleistungen

Lesedauer ca. 14 Minuten

Menschen, die aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen pflege- und hilfsbedürftig sind, werden durch die Pflegeversicherungen der Krankenkassen umfangreich mit Leistungen unterstützt. Welche Pflegeleistungen das genau sind und wer Anspruch auf diese Leistungen hat, erläutern wir mit diesem Artikel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was sind Pflegeleistungen?

Bei Pflegeleistungen handelt es sich um Zuschüsse der gesetzlichen und privaten Pflegekassen, die Pflegeversicherte unter Nachweis eines tatsächlichen Bedarfs und nach entsprechender Zuteilung eines Pflegegrads beanspruchen können.


Pflegegeld für die häusliche Pflege und deren Verwendung

Das von den Pflegekassen der Krankenkassen gezahlte Pflegegeld kann für die häusliche Pflege und Betreuung verwendet werden. Der für den Pflegebedürftigen festgelegte Pflegegrad bestimmt dabei die Höhe des monatlich gezahlten Pflegegeldes. Für die Festlegung eines Pflegegrades gibt es seit Januar 2017 ein neues Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“). Hierbei überprüfen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) oder anderer Prüforganisationen alle neuen Antragsteller auf Pflegeleistungen im Einzelnen anhand eines Fragenkatalogs, wie hoch der Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit ist. Anhand des erstellten Gutachtens entscheidet dann die zuständige Pflegekasse, ob sie ihrem Versicherten einen Pflegegrad zuteilt oder den Antrag ablehnt.

Bei erfolgreicher Bestätigung eines entsprechenden Pflegegrades, können die Bedürftigen und Ihre Angehörigen mit dem Pflegegeld einen Teil der in Anspruch genommenen Pflegeleistungen refinanzieren. Das Pflegegeld ist daher nicht zweckgebunden und muss auch nicht versteuert werden.

 

Das Pflegegeld kann ausschließlich für die häusliche Pflege und -Betreuung in Anspruch genommen werden, wenn Sie zuhause von Angehörigen, Freunden oder anderen Pflege- und Betreuungskräften gepflegt und versorgt werden.

 

Übersicht über die Leistungen der Pflegekassen für die einzelnen Pflegegrade:

 

Pflegegrad Pflegegeld pro Monat
(ab 01.01.2017)
Pflegegrad 1 125,00 EUR*
Pflegegrad 2 316,00 EUR
Pflegegrad 3 545,00 EUR
Pflegegrad 4 728,00 EUR
Pflegegrad 5 901,00 EUR

 

Hinweise zum Pflegegeld

* Beim Pflegegrad 1 erhalten Sie 125 EUR für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Diese Leistungen können z.Z. nicht für die angebotene Dienstleistung in Anrechnung gebracht werden, da es sich um stundenweise Leistungen von in Deutschland geprüften Kräften handelt. Erst ab Pflegegrad 2 steht Ihnen Pflegegeld zu, das Sie zur Refinanzierung der angebotenen Leistung verwenden können.

** Erhöhung nur für den Fall, dass der pflegebedürftige Mensch vorher in Pflegestufe 3+ war und nicht als Härtefall eingestuft wurde.

 

Während einer vollstationären Krankenhausbehandlung oder Rehabilitationsmaßnahme wird das Pflegegeld bis zu vier Wochen weiter gezahlt, danach ruht der Anspruch. Während vorübergehender Auslandsaufenthalte von bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr wird das Pflegegeld ebenfalls weiter gezahlt (§34 SGB V).


 

Pflegehilfsmittel bei der häuslichen Pflege und Betreuung

Die Pflegekassen unterstützen bei der häuslichen Pflege und Betreuung hilfsbedürftige Menschen mit Pflegehilfsmitteln, wenn dadurch die häusliche Pflege erleichtert und allgemeine Beschwerden gelindert werden. Pflegehilfsmittel und technische Hilfen gehören in der häuslichen Pflege zu den eigentlichen Leistungen der Pflegeversicherung und werden bedürftigen Menschen gewährt, bei denen ein Pflegegrad 1 bereits vorliegt - somit ist der Anspruch auf Pflegehilfsmittel unabhängig von dem Pflegegrad.

 

Tipp: Die Pflegekassen lehnen häufig die Leistungen für Pflegehilfsmittel ab, in der Annahme, für diese würde im Regelfall bei einem niedrigen Pflegegrad kein Bedarf bestehen. Dies stellt sich aber in der Praxis als falsch dar! Bei einer eventuellen Ablehnung sollten Sie daher unmittelbar Widerspruch einlegen und es sollte der MDK hinzugezogen werden. Denn die Bedürftigkeit kann nur von dem MDK oder dem MEDICPROOF festgestellt werden.

 

Wie hoch ist der Anspruch auf Pflegehilfsmittel?

Wenn Sie zuhause einen Angehörigen mit einem anerkannten Pflegegrad pflegen und betreuen, dann haben Sie bzw. der Pflegebedürftige einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Der Kauf von Pflegehilfsmitteln wird monatlich in Höhe von 40 EUR bezuschusst. Diese Regelung betrifft alle Antragsteller, bei denen der Bedarf festgestellt wird. Pflegehilfsmittel sind in der Regel Produkte, die für die tägliche Arbeit mit dem Patienten benötigt werden. Sprechen Sie uns gerne darauf an. Wir haben hierfür eine sehr einfache und komfortable Lösung, die Ihnen die Produkte monatlich kostenlos bereitstellt.

 

Welche Pflegehilfsmittel stehen zur Verfügung?

Im Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen sind Produkte gelistet, die in die Leistungspflicht der Kassen fallen. Für alle darin gelisteten Produkte übernehmen die Kassen die Kosten bzw. überlassen sie leihweise. Die Geräte und Pflegeprodukte sind nach Produktgruppen (1 bis 99) sortiert und den jeweiligen Anwendungsorten zugeordnet, darunter auch die Pflegehilfsmittel für den häuslichen Bereich. Die speziell zur Pflege bestimmten Hilfsmittel sind in den Produktgruppen 50 bis 54 gelistet und umfassen im Detail:
 

  • PG 50 - Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege
  • PG 51 - Pflegehilfsmittel zur Körperpflege/Hygiene
  • PG 52 - Pflegehilfsmittel zur selbstständigeren Lebensführung/Mobilität
  • PG 53 - Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden
  • PG 54 - Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel


Eine Besonderheit gilt für die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel: Für die Kostenerstattung bedarf es keine ärztliche Bescheinigung oder Rezept. Die Kostenübernahme kann direkt bei der Krankenkasse beantragt werden, wobei drei Voraussetzungen erfüllt sein müssen:

  • Der zu Pflegende hat einen anerkannten Pflegegrad
  • Der Pflegebedürftige wird ebenfalls von Angehörigen, Bekannten, Freunden oder Hilfskräften betreut und versorgt
  • Der Pflegebedürftige lebt zuhause, in einer WG oder Betreutes Wohnen
     

Beachten Sie bitte: Nicht zu den Pflegehilfsmitteln gehören Mittel des täglichen Lebensbedarfs, die allgemeine Verwendung finden und üblicherweise von mehreren Personen benutzt werden oder in einem Haushalt vorhanden sind.


Pflegehilfsmittel werden grob in zwei Kategorien eingestuft: Zum einen gibt es Hilfsmittel für den täglichen Bedarf und zum anderen technische Hilfsmittel. Allerdings ist die Beantragung und Bewilligung von technischen Pflegehilfsmitteln durch die Pflegeversicherung davon abhängig, ob diese auch sachgemäß bedient werden können. Vorraussetzung hierfür ist eine separate Schulung in der Handhabung der technischen Hilfsmittel. Im Anschluss werden die technischen Pflegehilfsmittel dann häufig leihweise zur Verfügung gestellt.

  1. Pflegehilfsmittel für den täglichen Gebrauch:
    Pflegemittel des täglichen Gebrauchs sind in der Regel Verbrauchsgüter und lassen sich wie folgt zusammenfassen:
     
    • Wiederverwendbare Bettschutzeinlagen,
    • Saugende Bettschutzeinlagen zum einmaligen Gebrauch in verschiedenen Größen
    • Inkontinenzmaterial wie
      • Vorlagen
      • Windelhosen
    • Schutzbekleidung wie
      • Fingerlinge
      • Einmalhandschuhe
      • Mundschutz
      • Schutzschürzen
    • Hände- und Flächendesinfektionsmittel
       
  2. Technische Pflegehilfsmittel:
    Technische Pflegehilfsmittel sind meistens Geräte, die bei der Pflege und Betreuung zur Erleichterung des Alltags eingesetzt werden.
     
    • Bettverlängerungen & -verkürzungen
    • Bettgalgen
    • Aufrichthilfen
    • Seitengitter
    • Fixierbandagen
    • Bettzubehör zur Pflegeerleichterung wie Einlegerahmen oder Rückenstützen
    • Bettnachtschränke mit verstellbarer Tischplatte
    • Mehrfunktionsliegestühle
    • Toilettenstuhl
    • Lifter
    • Hausnotrufsysteme 
    • Rollstühle
    • Gehwagen
    • Gehgestelle
    • Technische Küchengeräte, die die Möglichkeit zur Verrichtung von hauswirtschaftlicher Tätigkeit ermöglichen
    • Kopfwaschsysteme
    • Ganzkörperwaschsysteme
    • Duschwagen
    • Bettpfannen
    • Urinflaschen
    • Urinschiffchen
    • Urinflaschenhalter
    • Lagerungskissen und Felle

 

Pflegesachleistungen in der häuslichen Pflege

Die Pflegesachleistungen sind für den Einsatz von ambulanten Pflegediensten vorgesehen. Die ambulanten Pflegedienste schließen dafür einen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen in einem Gebiet ab und rechnen die erbrachten Leistungen direkt mit den Kostenträgern ab. Die Abrechnungssätze für einzelne Tätigkeiten sind sehr stringent geregelt und lassen Pflegediensten häufig nicht viel zeitlichen Spielraum, um ihre Leistungen zu erbringen. Dadurch entsteht ein enormer Zeit- und Kostendruck, wobei die Betreuung und Fürsorge oftmals darunter leidet.

 

Wenn Pflegesachleistungen über einen Pflegedienst in Anspruch genommen werden, dann mindert das entsprechend dem prozentualen Aufwand, den der Pflegedienst erbringt, den Anspruch auf Pflegegeld.

 

Oftmals erleben wir es in der Praxis, dass unseren Interessenten und Kunden nicht bewusst ist, welche Leistung von welchem Dienstleister erbracht werden darf und wie diese Leistungen sich in Kombination sinnvoll ergänzen. Wir arbeiten gerne und häufig mit Pflegediensten zusammen und sehen uns als ergänzenden Service. Denn beide Angebote sorgen dafür, dass das Leben im eigenen Zuhause weiterhin ermöglicht werden kann. 

Wie kann die häusliche Pflege in Kombination mit dem Pflegedienst am besten organisiert werden?

Pflegedienste stehen nicht nur unter einem enormen Leistungs- und Kostendruck, auch erhöht sich aufgrund des demographischen Wandels die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen enorm. Pflegedienste und -einrichtungen leiden deshalb unter akutem Personalmangel und können den Anforderungen des Marktes nur sehr schwer gerecht werden. In diesem Zusammenhang ist die Betreuungsleistung der sog. 24 Stunden Betreuung die einzige Möglichkeit, um allen Parteien gerecht zu werden. Bei einer gut abgestimmten Zusammenarbeit kümmert sich der Pflegedienst um die originären Tätigkeiten im Rahmen der Behandlungspflege (Spritzen geben, Medikation, Stützstrümpfe an- und ausziehen oder auch die medizinische Versorgung) und die Betreuungskräfte kümmern sich um die Fürsorge, die Hauswirtschaft und um die Grundpflege. Da viele Leistungen, die von dem Pflegedienst erbracht werden, sogar durch eine Verordnung vom Arzt verschrieben werden können, muss die Pflegesachleistung bei dieser Lösung nicht in Anspruch genommen werden, wodurch Ihnen der Anspruch auf das Pflegegeld erhalten bleibt.


Wie hoch sind Ihre Ansprüche auf Pflegesachleistungen?

Bei der häuslichen Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst haben Pflegebedürftige Anspruch auf Zuschüsse für Pflegesachleistungen. Die Höhe ist dabei abhängig vom Pflegegrad. Mit der folgenden Tabelle zeigen wir Ihnen im Überblick Ihren Anspruch auf Pflegesachleistungen je Pflegegrad:

 

Pflegegrad Pflegesachleistung pro Monat
Pflegegrad 1 125,00 EUR*
Pflegegrad 2 689,00 EUR
Pflegegrad 3 1.298,00 EUR
Pflegegrad 4 1.612,00 EUR
Pflegegrad 5 1.995,00 EUR

*Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 1: Pflegebedürftige mit einem anerkanntem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegesachleistungen. Sie erhalten aber von der zuständigen Pflegekasse einen monatlichen Betrag von 125 Euro für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, der für hilfreiche Dienste in der Betreuung frei verwendet werden kann.


 

Tagespflege als zusätzliche Option sorgt für Entlastung

Die Tagespflege ist eine teilstationäre Pflege, die von der Pflegeversicherung gefördert wird. Tagespflegeeinrichtungen kümmern sich stunden- oder tageweise um pflegebedürftige Menschen, die aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischer Beeinträchtigungen eingeschränkt oder nicht mehr in der Lage sind, tagsüber allein in der Wohnung zu bleiben und von pflegenden Angehörigen oder anderweitigen Personen gepflegt werden. Eine Tagespflegeeinrichtung ist auch für Bedürftige da, die unter bspw. Demenz leiden und die unentwegt beaufsichtigt werden müssen.

 

Die Tagespflege ist eine gute Kombinationsmöglichkeit mit der häuslichen Pflege, um pflegende Angehörige zu entlasten. Auch bei Einsätzen von beispielsweise osteuropäischen Betreuungskräften kann die Tagespflege sinnvoll in Anspruch genommen werden, um die notwendigen Pausen- und Freizeiten gewährleisten zu können. Diese Möglichkeit besteht seit dem Jahr 2015 in Kombination, wodurch das Pflegegeld nicht durch die Inanspruchnahme einer Tageseinrichtung beeinflusst, sondern als Leistung der Pflegekassen separat abgerechnet wird.

 

Wie hoch sind die Zuschüsse für die Tagespflege?

Ab 2015 können auch die Zuschüsse für zeitweise Betreuung im Tagesverlauf über Pflegeeinrichtungen zusätzlich zum Pflegegeld in Anspruch genommen werden. Somit können pflegebedürftige Menschen ab Pflegegrad 2 dieses Angebot nutzen und für Entlastung der Betreuungskraft oder des pflegenden Angehörigen sorgen. Die Zuschüsse teilen sich wie folgt auf und sind von der Pflegeeinrichtung direkt mit der Pflegekasse abzurechnen:

 

Pflegegrad Zuschuss Tagespflege
Pflegegrad 1 0,00 EUR
Pflegegrad 2 689,00 EUR
Pflegegrad 3 1.298,00 EUR
Pflegegrad 4 1.612,00 EUR
Pflegegrad 5 1.995,00 EUR

 

Kosten einer Tageseinrichtung:
Die Kosten für eine Tagespflege können stark variieren und sind u.a. abhängig vom Ort der Einrichtung und den angebotenen Leistungen. Daher erkundigen Sie sich bitte genau, welche Einrichtung die richtige ist und vom Preis-/Leistungsverhältnis zu Ihren Anforderungen und Wünschen passt. Die Kosten setzen sich in der Regel aus Tagespauschalen für die Unterbringung und Verpflegung, sowie Kosten für die Betreuung und pflegerische Versorgung als auch Fahrtkosten für den Transfer und Investitionskosten zusammen.

 

Voraussetzung

Die Tagespflege ist für viele Bedürftige die richtige Wahl, wenn die zu betreuende Person nicht unbeaufsichtigt bleiben kann und der pflegende Angehörige oder aber auch die Betreuungskraft Entlastung benötigt. 

Die Tagespflege ist auch für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz - wie zum Beispiel Demenz - geeignet, da hier eine durchgängige Beaufsichtigung gewährleistet ist und speziell auf die Bedürfnisse ausgerichtete Beschäftigungen angeboten werden.
Wichtig ist die Transportfähigkeit der zu betreuenden Personen: dies schließt die Betreuung von bettlägerigen Personen aus. Senioren, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können das Angebot der Tagespflege durchaus wahrnehmen, da die Einrichtungen barrierefrei sein müssen.

Seit 2015 kann die Tagespflege oder Nachtpflege zusätzlich zu dem Pflegegeld und den Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden.


Welche Kosten für die Tagespflege übernimmt die Pflegekasse?

Zu den anrechenbaren Leistungen der Pflegekasse in diesem Zusammenhang zählen u.a.:

  • Pflegebedingte Aufwendungen
  • Aufwendungen für die soziale Betreuung von Pflegebedürftigen
  • Die medizinischen Behandlungspflege, sofern notwendig
  • Den Transfer des pflegebedürftigen Angehörigen vom Wohnort zur Tageseinrichtung und zurück.

 

Verhinderungspflege - Gesetzlicher Anspruch

Die Pflege und Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen ist nicht nur eine sehr zeitintensive, sondern auch eine oftmals emotional hoch anspruchsvolle Aufgabe, die viele pflegende Angehörige an den Rand ihrer Kräfte bringt. Um Pflegepersonen zu entlasten, gibt es die sogenannte Verhinderungspflege, auch Ersatzpflege genannt.

Die Beanspruchung einer Ersatzpflege für Zeiten, in denen man einmal Abstand gewinnen, seinen Hobbys nachgehen, in den Urlaub fahren oder seiner Verpflichtung gegenüber seinem Arbeitgeber nachgehen möchte, kann durch die Inanspruchnahme einer externen Leistung bei der Krankenkasse gegen Auszahlung des Verhinderungspflegegeldes, beantragt werden.

 

Das Kraft des Gesetzes allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 zustehende Verhinderungspflegegeld soll den pflegenden Angehörigen die Möglichkeit geben, eine andere Person für die Ersatzpflege einzusetzen. Einen Antrag für die Verhinderungspflege können Sie bei Ihrer Krankenkasse anfordern und sich direkt zuschicken lassen. Viele Krankenkassen bieten auch auf der eigenen Internetseite den Antrag als Download an.

 

Anspruchshöhe des Verhinderungspflegegeldes

Seit 2015 beträgt das Verhinderungspflegegeld 1.612 EUR jährlich. Zusätzlich kann das Verhinderungspflegegeld für eine Dauer von bis zu 6 Wochen beantragt werden. Zusätzlich können 50% des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege ausgegeben werden. Dies bedeutet, dass der Zuschuss bis zu 2.418 EUR jährlich oder 201 EUR monatlich beträgt. Dabei würde Ihnen bei dieser Regelung zusätzlich Anspruch auf 2 Wochen Kurzzeitpflege zustehen.
 

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Verhinderungspflege:

Die Verhinderungspflege kann unter bestimmten Voraussetzungen bei Ihrer Krankenkasse (Pflegekasse) beantragt werden. Im Folgenden zeigen wir Ihnen auf, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen:

  1. Vorauspflege:
    Eine Vorauspflege muss gegeben sein. Dies bedeutet, dass der erstmalige Anspruch besteht, wenn die Pflegeperson, meist pflegender Angehöriger, bereits mindestens 6 Monate in seiner häuslichen Umgebung die Pflege übernommen hat.
  2. Beginn der Pflege:
    Der Beginn der Pflege in der häuslichen Umgebung (Pflege-Startzeitpunkt) setzen die meisten Pflegekassen mit dem Zeitpunkt der Begutachtung und Einstufung in die Pflegeversicherung gleich. Bei der Erstbegutachtung durch bspw. den MDK ist es daher empfehlenswert, auf den Beginn der Pflegebedürftigkeit hinzuweisen, auch wenn dieser schon ein paar Monate zurückliegt. Somit besteht der Anspruch auf Verhinderungspflege schon vorher, nämlich zum Zeitpunkt des Beginns der Pflegebedürftigkeit.
  3. Verwandtschaftsgrad:
    Die Verhinderungspflege muss von einer Person erbracht werden, die nicht mit dem Pflegebedürftigen 1. und 2. Grades verwandt ist.
  4. Häusliche Gemeinschaft:
    Die Verhinderungspflege darf nicht von einer Person übernommen werden, die in einer häuslichen Gemeinschaft mit dem Pflegebedürftigen lebt. Dies bedeutet, dass die Person an dieser Adresse nicht amtlich gemeldet sein darf.

 

Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen sind Umbauten, Verbesserungen oder Anpassungen der häuslichen Umgebung, um die Pflege des bedürftigen Menschen zu verbessern oder zu erleichtern und somit die Fortbewegung in der Wohnumgebung sicherer zu gestalten. Die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen sollen somit die selbstständige Lebensführung im eigenen Zuhause erleichtern.

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme

Die Voraussetzungen für die Bewilligung von Zuschüssen zur Verbesserung des Wohnumfeldes sind vielfältig und werden pro Einzelfall bewertet und freigegeben, je nach Wohnumfeld und Wohnsituation. Die Kriterien sind hierbei im Einzelnen, dass…

  • die Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde und 
  • die Vorversicherungszeit erfüllt ist.
  • die Maßnahmen von Dauer sind und nicht nur kurzfristig angesetzt werden. 
  • die Maßnahmen den Lebensmittelpunkt also den Wohnsitz des Pflegebedürftigen betreffen und 
  • die Maßnahmen somit individuell auf die Situation vor Ort ausgerichtet sind.
     

Ebenso müssen die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen dazu dienen, dass

  • Pflege Zuhause dadurch erst ermöglicht oder erheblich erleichtert wird
  • selbständige Lebensführung des zu Pflegenden wiederhergestellt wird
     

Auch ein Umzug, der eine selbständige Lebensführung ermöglicht, kann bewilligt werden, wenn die Umstände plausibel sind und sich dadurch die Pflege Zuhause verbessern lässt.

 

Folgende Umbauten sind im Einzelfall auch als Maßnahme absetzbar:

  1. Badezimmer-Umbauten:
    Seniorengerechte Armaturen 
    Anpassung von Einrichtungsgegenständen zur Erleichterung der Körperpflege
    Badewannen-Einstiegshilfen
    Einbau einer Dusche
    Ebenerdige Dusche
    Sitzhöhenanpassung der Toilette oder des Waschbeckens
    Rutschhemmende Bodenbeläge
     
  2. Beseitigung von Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahren
    durch Austausch der Fliesen oder
    rutschfeste Aufkleber auf Treppenaufgängen etc.
     
  3. Erleichterung der Bedienung durch Absenkung von:
    Briefkastenzugang
    Fenstergriffen
    Lichtschaltern
    Steckdosen
    Küchenschränken
    Arbeitsplatte
    Herden
    Unterschränken
     
  4. Maßnahmen zur Mobilitätssteigerung:
    Ebenerdige Zugänge
    Türverbreiterungen
    Vergrößerung von Schaltern
    Handläufe
    Stufenmarkierungen
    Türschwellenbeseitigung
    Gegensprechanlage
    Einbau von Sicherheitstüren
     
  5. Heizungsumbauten:
    im Einzelfall, wenn dies dazu führt, dass Hilfebedarf entfällt

 

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen auf 4.000 EUR angehoben:
Ausgaben für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden zukünftig statt mit 2.557 mit 4.000 EUR pro Maßnahme gefördert. Dadurch erhalten Sie mehr Handlungsmöglichkeiten, um die Wohnumgebung sicherer zu gestalten und die Wohnqualität zu steigern. Dabei definiert sich „pro Maßnahme“ als Umbau- oder Ausbauaktion, die ein spezifisches Problem löst und dadurch die Selbstständigkeit im Wohnumfeld erhöht.

Dies können beispielsweise Umbaumaßnahmen sein, um die Fortbewegung mit einem Rollstuhl zu ermöglichen oder auch Haltegriffe und rutschfeste Bodenbeläge, die die Sicherheit erhöhen. Darüber hinaus gibt Ihnen diese Regelung auch die Möglichkeit, die Pflege Ihrer Angehörigen besser zu organisieren und den Arbeitsplatz für die Betreuungskräfte gut vorzubereiten, so dass diese unter optimalen Bedingungen arbeiten.

Wohnberatungsstellen helfen Ihnen bei diesen Maßnahmen weiter und beraten Sie bei der Umsetzung der Maßnahmen.

 


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